Interview mit "Verlorene Werke"

Möchten Sie sich einmal kurz vorstellen? Was für einen Menschen sollte man vor Augen haben, wenn man den Namen „Anne Chaplet“ hört?
Ich bin, wie ich aussehe, aber ich sehe nicht so aus, wie ich bin. Ansonsten kann man sich einen glücklichen Menschen denken, der tun darf, was er am liebsten macht: schreiben.

Könnten Sie uns eines Ihrer Werke/ das neuste Werk vielleicht in ein paar kurzen Sätzen schildern?
„Schrei nach Stille“ ist ein Buch über das Erinnern – und über das Vergessen. Das Erinnern ist nicht immer richtig und das Vergessen ist nicht immer falsch...

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Über "Schrei nach Stille"

 

Wie kam Ihnen die Idee zu diesem Buch?

 

Sie kam angeflogen – wie immer … Im Ernst: Ich ärgere mich über mein schlechtes Gedächtnis und bin zugleich erleichtert darüber, daß ich auch unangenehme Dinge vergessen kann. Fluch und Segen des Erinnerns haben mich stets beschäftigt, auch in meinen vorhergehenden Romanen. Doch was geschieht, wenn man das Gedächtnis tatsächlich verliert? Wenn man spürt, wie man sich selbst entgleitet? Bei lebendem Leibe, bei vollem Bewußtsein?

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    Frage: Hand aufs Herz: Wie häufig werden Ihnen die „Häufig gestellten Fragen“ tatsächlich gestellt?

Seit ich nicht mehr pseudonym lebe und auf Lesereisen gehe – ziemlich oft. Aber die häufigste Frage stelle ich mir immer noch selbst: Warum, Frau Chaplet, haben Sie erst so spät im Leben mit etwas angefangen, das Ihnen offenbar mehr Spaß macht als alle Jobs Ihres Lebens zusammen (und da war ja einiges los)?

Meine kleinlaute Antwort: Das übliche Gezappel und Gezauder, das ewigweibliche „Kann ich nicht“ und „Traue ich mir nicht zu“.

Frage: Und wie kam es dann trotzdem 1998 zum Erscheinen von „Caruso singt nicht mehr“?

Antwort: Ganz einfach - es war ein heißer Sommerabend im August 1996, eine blonde Fee kam vorbei, legte mir sacht die Hand auf die Schulter und sagte...

Im Ernst: ich saß mit meiner Freundin Antje Kunstmann in Frankfurt beim Thailänder in der Kiesstraße in Bockenheim und hatte ein Problem. Nach zehn Jahren gründlichem Studium des Kriegs war mir nach Abwechslung. „Was soll ich dir schreiben“, fragte ich sie, „abends, wenn mir der Krieg zum Hals raushängt? Ein Büchelchen à la ‚Endlich über 50’?“

Sie lächelte mild. „Das haben wir schon vor drei Jahren abgehakt. Was man schreiben müßte...“

Kunstpause. Sie sah mich an. Ich sah sie an.

„Einen Krimi!“

„Das könnte ich nie!“ habe ich gesagt. Im selben Moment wußte ich, welche Geschichte ich schreiben mußte.

„Ausprobieren!“ Antje guckte spöttisch.

Und am nächsten Abend habe ich angefangen.

Diese Geschichte ist übrigens nichts als die Wahrheit...